Zwischen Milchleistung, Futterkosten und Klimabilanz: Der Pansen rückt in den Fokus
Pansenmikrobiom gezielt steuern: Warum Stoffwechseleffizienz der Schlüssel zu Leistung und Nachhaltigkeit ist
Zwischen Milchleistung, Futterkosten und Klimabilanz: Der Pansen rückt in den Fokus
Die Anforderungen an moderne Wiederkäuerhaltung steigen kontinuierlich. Hohe Leistungen, wirtschaftliche Fütterungskonzepte, Tiergesundheit und Nachhaltigkeitsziele müssen gleichzeitig erfüllt werden. Dabei rückt ein Bereich zunehmend in den Mittelpunkt wissenschaftlicher und praktischer Betrachtungen: das Pansenmikrobiom.
Der Pansen ist weit mehr als ein Verdauungsorgan. Er fungiert als hochkomplexer Fermentationsraum mit Milliarden von Mikroorganismen, die täglich über die Verwertung von Energie, Nährstoffen und letztlich über die Leistungsfähigkeit des Tieres entscheiden.
Während lange Zeit vor allem die Rationsgestaltung im Vordergrund stand, zeigt die aktuelle Forschung, dass die gezielte Beeinflussung mikrobieller Stoffwechselwege erhebliches Potenzial bietet – sowohl für die Produktivität als auch für die Ressourceneffizienz.
Der Engpass moderner Hochleistungsrationen
Insbesondere in leistungsorientierten Milchvieh- und Mastsystemen werden hohe Mengen leicht fermentierbarer Kohlenhydrate eingesetzt. Stärke- und zuckerreiche Rationen erhöhen die Energiedichte und unterstützen hohe Leistungen.
Gleichzeitig steigt jedoch das Risiko unerwünschter Fermentationsprozesse.
Werden große Mengen schnell verfügbarer Kohlenhydrate umgesetzt, entstehen erhebliche Mengen Laktat. Kann dieses nicht ausreichend abgebaut werden, sinkt der Pansen-pH-Wert. Die Folgen sind bekannt:
- Beeinträchtigung cellulolytischer Mikroorganismen
- Reduzierte Faserverdauung
- Schwankende Futteraufnahme
- Risiko subakuter Pansenazidose (SARA)
- Verschlechterung der Futtereffizienz
Die Herausforderung besteht deshalb nicht allein darin, Energie bereitzustellen, sondern die mikrobiellen Stoffwechselprozesse gezielt in Richtung einer effizienten Energiegewinnung zu lenken.
Rumalato®: Malat gezielt für die Pansenstabilität nutzen
Vor diesem Hintergrund gewinnen ernährungsphysiologische Konzepte an Bedeutung, die nicht nur Symptome einer instabilen Pansenfermentation adressieren, sondern direkt auf zentrale Stoffwechselprozesse im Pansen einwirken.
Rumalato® ist ein von Norel entwickelter funktioneller Futterzusatz auf Basis von Calcium- und Natriumsalzen der Apfelsäure (Malat). Malat ist ein natürliches Zwischenprodukt verschiedener Stoffwechselwege im Pansen und spielt eine wichtige Rolle bei der Umwandlung von Laktat zu Propionat. Durch die gezielte Bereitstellung von Malat können die Bedingungen für eine effiziente Fermentation unterstützt und die Nutzung der aufgenommenen Nährstoffe verbessert werden.
Im Fokus steht dabei nicht die kurzfristige Korrektur eines sinkenden pH-Wertes, sondern die Unterstützung einer stabilen Pansenfunktion und einer effizienten Energiegewinnung. Rumalato® wurde entwickelt, um die Pansenstruktur zu fördern, die Verdaulichkeit der Ration zu verbessern und die Futtereffizienz zu steigern. Dadurch kann die Leistungsfähigkeit von Milch- und Fleischrindern gezielt unterstützt werden.
Für Fütterungsberater, Futtermittelhersteller und landwirtschaftliche Betriebe ist insbesondere interessant, dass dieser Ansatz direkt an den mikrobiellen Prozessen im Pansen ansetzt. Statt ausschließlich auf die Zusammensetzung der Ration zu fokussieren, rückt die Steuerung der Fermentationswege und damit die Effizienz der Nährstoffverwertung in den Mittelpunkt.
Propionat: Die unterschätzte Energiequelle
Aus ernährungsphysiologischer Sicht nimmt Propionat eine Schlüsselrolle ein.
Im Gegensatz zu Acetat und Butyrat dient Propionat als wichtigste Vorstufe für die Glukosebildung in der Leber. Über die Glukoneogenese stellt es dem Tier direkt nutzbare Energie zur Verfügung.
Für Milchvieh bedeutet dies:
- Unterstützung der Laktationsleistung
- Verbesserung der Energiebilanz
- Effizientere Nutzung der aufgenommenen Nährstoffe
Für Masttiere ergeben sich Vorteile hinsichtlich:
- Täglicher Gewichtszunahmen
- Futterverwertung
- Energieeffizienz der gesamten Ration
Die Frage lautet daher nicht nur, wie viel Energie in der Ration enthalten ist, sondern wie viel davon tatsächlich in metabolisch nutzbare Energie umgewandelt wird.
Die Bedeutung von Selenomonas ruminantium
Ein oft unterschätzter Akteur im Pansen ist das Bakterium Selenomonas ruminantium.
Dieses Mikroorganismus spielt eine zentrale Rolle beim Abbau von Laktat und dessen Umwandlung in Propionat. Besonders interessant ist, dass seine Aktivität unter ungünstigen Bedingungen – etwa bei sinkendem pH-Wert – eingeschränkt werden kann.
Studien zeigen jedoch, dass Malat als Zwischenprodukt des Succinat-Propionat-Stoffwechselwegs die Aktivität von Selenomonas ruminantium fördern kann. Dadurch wird die Umwandlung von Laktat zu Propionat unterstützt und die Anreicherung von Laktat im Pansen reduziert.
Dieser Mechanismus gewinnt insbesondere bei leistungsorientierten Rationen an Bedeutung, bei denen die Stabilität des Pansenmilieus über die Wirtschaftlichkeit des gesamten Fütterungssystems entscheidet.
Stoffwechseleffizienz statt reine Pufferwirkung
In der Praxis werden Maßnahmen zur Pansenstabilisierung häufig auf ihre Pufferwirkung reduziert.
Moderne Ansätze gehen jedoch deutlich weiter.
Statt ausschließlich pH-Schwankungen abzufangen, rückt die gezielte Steuerung mikrobieller Stoffwechselwege in den Fokus. Ziel ist es, Wasserstoff und Zwischenprodukte der Fermentation verstärkt in Richtung Propionatbildung zu lenken.
Dadurch ergeben sich mehrere positive Effekte gleichzeitig:
- Geringere Laktatakkumulation
- Stabilere Fermentationsbedingungen
- Höhere Energieausbeute aus der Ration
- Verbesserte Nährstoffeffizienz
- Potenziell geringere Methanbildung
Dieser Ansatz verbindet Tiergesundheit, Leistung und Nachhaltigkeit auf einer gemeinsamen biologischen Grundlage.
Was bedeutet das für die Praxis?
Für Fütterungsberater, Tierernährer und Betriebsleiter ergibt sich daraus eine wichtige Erkenntnis:
Die Leistungsfähigkeit moderner Wiederkäuerherden wird zunehmend durch die Effizienz der mikrobiellen Prozesse im Pansen bestimmt.
Die Optimierung der Ration allein reicht häufig nicht mehr aus. Entscheidend wird die Frage, wie die vorhandenen Nährstoffe tatsächlich verstoffwechselt werden.
Funktionelle Futterzusätze auf Basis von Malat können dabei einen interessanten Ansatz darstellen. Sie setzen nicht erst bei den Symptomen einer gestörten Fermentation an, sondern unterstützen zentrale Stoffwechselwege direkt im Pansen.
Praxisversuche bei Milch- und Fleischrindern zeigen, dass sich dadurch Verbesserungen bei Milchleistung, Gewichtszunahmen und Futtereffizienz erzielen lassen.
Fazit: Die Zukunft liegt in der Steuerung mikrobieller Prozesse
Die Wiederkäuerfütterung entwickelt sich zunehmend von der klassischen Nährstoffversorgung hin zum Management komplexer mikrobieller Ökosysteme.
Wer die Stoffwechselwege im Pansen gezielt beeinflusst, kann die Verwertung vorhandener Ressourcen verbessern, die Tiergesundheit unterstützen und gleichzeitig Nachhaltigkeitsziele adressieren.
Die gezielte Förderung propionatbildender Fermentationswege stellt dabei einen vielversprechenden Ansatz dar. Sie verbindet Leistungssteigerung mit effizienterer Nährstoffnutzung und kann dazu beitragen, die Herausforderungen moderner Wiederkäuerhaltung erfolgreich zu bewältigen.
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Quellenangaben:
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- Counotte, G.H.M.; Prins, R.A.; Janssen, R.H.A.M.; Debie, M.J.A. (1981): Role of Megasphaera elsdenii in the fermentation of DL-[2-13C]lactate in the rumen of dairy cattle. Applied and Environmental Microbiology, 42(4), 649–655. Zugriff: https://journals.asm.org/doi/10.1128/aem.42.4.649-655.1981, Zugriff am: 18.06.2026
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- Castillo, C.; Benedito, J.L.; Méndez, J. et al. (2004): Organic acids as a substitute for monensin in ruminant diets. Animal Feed Science and Technology, 115(1–2), 101–116. Zugriff: https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0377840104000973, Zugriff am: 18.06.2026
- Pereira, M.N.; Oliveira, A.S.; Silva, T.H. et al. (2022): Malate metabolism and implications for ruminal fermentation and animal performance. Zitiert in den technischen Unterlagen von Norel. Zugriff: https://scholar.google.com, Zugriff am: 18.06.2026
- Norel S.A. / BÜFA Chemikalien: RUMALATO® – Bessere Verdaulichkeit. Höhere Futtereffizienz. Produktinformation, Januar 2026.
- Norel S.A. / IRTA: Fütterungsversuche mit Milchkühen – Rumalato® erhöht die Milchleistung und verbessert die Futterverwertung. Versuchsbericht, 2026.
- Norel S.A.: Fütterungsversuch mit Fleischrindern – Einfluss von Rumalato® auf Gewichtszunahme und Futterverwertung. Versuchsbericht, 2026.
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