Warum moderne Sweetener heute unverzichtbar sind
Sweetener in der Tierernährung – warum moderne Süßstoffe heute weit mehr leisten als nur Süße
Wie innovative Sweetener-Systeme die Futteraufnahme unterstützen und damit Leistung, Tiergesundheit und Wirtschaftlichkeit positiv beeinflussen können.
Eine stabile Futteraufnahme ist die Grundlage einer erfolgreichen Tierernährung. Sie entscheidet darüber, ob Tiere ihr genetisches Leistungspotenzial ausschöpfen können, ob Nährstoffe effizient verwertet werden und letztlich auch über die Wirtschaftlichkeit eines Betriebes.
Gerade in sensiblen Lebens- und Leistungsphasen kann bereits eine kurzfristig reduzierte Futteraufnahme erhebliche Auswirkungen auf Wachstum, Futterverwertung und Tiergesundheit haben. Moderne Sweetener-Systeme bieten hier einen gezielten Lösungsansatz. Sie verbessern nicht nur die Schmackhaftigkeit des Futters, sondern unterstützen die Akzeptanz sensorisch anspruchsvoller Rezepturen und tragen zu einer stabileren Futteraufnahme bei.
Warum ist die Futteraufnahme so entscheidend?
Die beste Futterrezeptur erzielt nur dann ihre gewünschte Wirkung, wenn sie von den Tieren auch aufgenommen wird.
Besonders kritisch sind Phasen, in denen Tiere unter Stress stehen oder sich an neue Futtermittel gewöhnen müssen.
Dazu gehören beispielsweise:
- das Absetzen von Ferkeln
- Futterumstellungen
- die Aufzucht von Kälbern
- Starterphasen bei Geflügel
- Futtermittel mit funktionellen oder sensorisch anspruchsvollen Inhaltsstoffen
In diesen Situationen entscheidet häufig die Akzeptanz des Futters darüber, wie schnell Tiere wieder eine ausreichende Futteraufnahme erreichen und ihre Leistung stabilisieren.
Praxiswissen
Bereits wenige Tage mit einer reduzierten Futteraufnahme können sich negativ auf Tageszunahmen, Futterverwertung (FCR), Tiergesundheit und letztlich auf die Wirtschaftlichkeit eines Betriebes auswirken.
Warum werden Sweetener in der Tierernährung eingesetzt?
Sweetener werden häufig mit „mehr Süße“ gleichgesetzt. Tatsächlich erfüllen moderne Sweetener-Systeme jedoch eine deutlich komplexere Aufgabe.
Ihr Ziel ist es nicht, Futtermittel möglichst süß schmecken zu lassen, sondern die sensorische Akzeptanz gezielt zu verbessern.
Viele Futtermittel enthalten funktionelle Rohstoffe oder Zusatzstoffe mit bitteren, metallischen oder ungewohnten Geschmacksnoten.Diese können die freiwillige Futteraufnahme reduzieren.
Moderne Sweetener helfen dabei,
- bittere oder unangenehme Geschmacksnoten zu maskieren,
- die Schmackhaftigkeit des Futters zu verbessern,
- die freiwillige Futteraufnahme zu stabilisieren,
- Futterumstellungen zu erleichtern und
- Leistungseinbußen in sensiblen Phasen zu reduzieren.
Der eigentliche Mehrwert liegt daher nicht in der Süße selbst, sondern in einer höheren Akzeptanz des Futters.
Wie wirken moderne Sweetener?
Die Wirkung moderner Sweetener beginnt bereits mit der ersten Futteraufnahme.
Sweetener aktivieren Süßrezeptoren auf der Zunge und beeinflussen dadurch die sensorische Wahrnehmung des Futters. Besonders Jungtiere reagieren sehr sensibel auf Geschmacksveränderungen. Eine höhere Akzeptanz führt häufig zu einer stabileren freiwilligen Futteraufnahme.
Mehr als Geschmack: Chemosensing im Darm
Aktuelle wissenschaftliche Untersuchungen zeigen darüber hinaus, dass Süßrezeptoren nicht nur im Maul, sondern auch im Darm vorkommen.
Dieses sogenannte Chemosensing beschreibt die Aktivierung intestinaler Süßrezeptoren, die unter anderem die Glukoseaufnahme und möglicherweise auch die Nährstoffverwertung beeinflussen können.
Die Forschung auf diesem Gebiet entwickelt sich kontinuierlich weiter. Bereits heute gilt jedoch als gesichert, dass moderne Sweetener-Systeme deutlich mehr leisten als eine reine Geschmacksverbesserung.
Wie Sweetener wirken
Verbesserte Schmackhaftigkeit
↓
Höhere Akzeptanz des Futters
↓
Stabilere freiwillige Futteraufnahme
↓
Konstantere Leistung und bessere Futterverwertung
Mehr als Geschmack – Chemosensing im Darm
Aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen, dass Süßrezeptoren nicht nur auf der Zunge vorkommen, sondern auch im Verdauungstrakt lokalisiert sind. Dieses Phänomen wird als Chemosensing bezeichnet.
Werden diese intestinalen Süßrezeptoren aktiviert, können sie verschiedene physiologische Prozesse beeinflussen. Dazu gehören unter anderem die Regulation der Glukoseaufnahme sowie Mechanismen, die mit der Nährstoffverwertung und der Darmfunktion in Zusammenhang stehen.
Die Forschung auf diesem Gebiet entwickelt sich kontinuierlich weiter. Bereits heute deuten wissenschaftliche Untersuchungen darauf hin, dass moderne Sweetener-Systeme über die reine Geschmacksverbesserung hinaus zusätzliche positive Effekte auf die Fütterung haben können.
Praxiswissen
Der wichtigste Effekt moderner Sweetener liegt in der Verbesserung der Futterakzeptanz. Mögliche zusätzliche physiologische Wirkungen werden derzeit wissenschaftlich intensiv untersucht und unterstreichen das Potenzial moderner Sweetener-Konzepte.
Moderne Sweetener-Systeme statt Einzellösungen
Lange Zeit dominierten einzelne Süßstoffe wie Saccharin den Markt. Heute gewinnen moderne Multikomponenten-Systeme zunehmend an Bedeutung.
Sie kombinieren verschiedene Sweetener, um die jeweiligen Vorteile optimal zu nutzen und gleichzeitig mögliche Nachteile einzelner Komponenten – beispielsweise Nachgeschmack – zu reduzieren.
Eine Kombination aus Stevia, Thaumatin und NHDC (Neohesperidin-Dihydrochalcon) kann beispielsweise ein ausgewogeneres Süßeprofil erzeugen als ein einzelner Süßstoff.
Studien mit jungen Ferkeln zeigen, dass insbesondere NHDC die sensorische Akzeptanz von Stevia verbessern kann. Dadurch entstehen Synergieeffekte, die zu einer höheren Präferenz und einer besseren freiwilligen Futteraufnahme beitragen können.
Stevia, Thaumatin und NHDC – kurz erklärt
- Stevia
Natürlicher Süßstoff pflanzlichen Ursprungs mit hoher Süßkraft. - Thaumatin
Natürliches Süßprotein mit geschmacksmodulierenden Eigenschaften und sehr hoher Süßintensität. - NHDC (Neohesperidin-Dihydrochalcon)
Hochintensiver Sweetener auf Basis natürlicher Zitrusflavonoide. NHDC rundet die Süßwahrnehmung ab, reduziert Nachgeschmack und verbessert die sensorische Gesamtwirkung.
Synergie statt Einzellösung
Studien mit jungen Ferkeln zeigen, dass insbesondere die Kombination von Stevia und NHDC eine höhere Akzeptanz erzielen kann als Stevia allein. NHDC trägt dazu bei, den typischen Nachgeschmack von Stevia zu reduzieren und ein harmonischeres Süßeprofil zu erzeugen.
Diese Erkenntnisse verdeutlichen, warum moderne Multikomponenten-Systeme heute zunehmend klassische Einzelsüßstoffe ersetzen und einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung leistungsfähiger Fütterungskonzepte leisten.
Sweetener sind nicht gleich Sweetener
Sweetener unterscheiden sich nicht nur hinsichtlich ihrer Süßkraft, sondern auch in ihrer sensorischen Wahrnehmung, ihrer Stabilität sowie ihrem Einsatzgebiet. Deshalb eignet sich nicht jeder Süßstoff gleichermaßen für jede Anwendung in der Tierernährung.
Neben klassischen synthetischen Süßstoffen gewinnen heute zunehmend natürliche oder naturbasierte Sweetener sowie moderne Multikomponenten-Systeme an Bedeutung. Diese kombinieren verschiedene Wirkmechanismen, um eine möglichst hohe Akzeptanz bei gleichzeitig ausgewogenem Geschmacksprofil zu erreichen.
Entscheidend ist dabei nicht die maximale Süßkraft, sondern die sensorische Gesamtwirkung des Futters. Ein harmonisches Geschmacksprofil kann wesentlich dazu beitragen, dass Tiere das Futter schneller akzeptieren und kontinuierlich aufnehmen.
Was moderne Sweetener-Systeme auszeichnet
- Ausgewogenes und natürlich wirkendes Süßeprofil
- Maskierung bitterer oder metallischer Geschmacksnoten
- Reduzierter Nachgeschmack
- Synergistische Wirkung verschiedener Sweetener-Komponenten
- Hohe Stabilität während Lagerung und Verarbeitung
- Geringe Einsatzmengen bei hoher Wirksamkeit
Sweetener und Aromen – warum beide zusammen besonders effektiv sind
Sweetener und Aromen erfüllen unterschiedliche Aufgaben.
Während Sweetener die Grundsüße und die Maskierung unerwünschter Geschmacksnoten übernehmen, sorgen Aromen für ein charakteristisches Geschmacksprofil und einen hohen Wiedererkennungswert des Futters.
Gerade anspruchsvolle Rezepturen profitieren häufig von der Kombination beider Systeme. Moderne Sweetener-Kombinationen und passende Aromen können sich gegenseitig ergänzen und dadurch die freiwillige Futteraufnahme zusätzlich unterstützen.
Typische Einsatzbereiche
Sweetener haben sich insbesondere bewährt bei:
- Ferkelstarter und Prestarter
- Milchaustauschern
- Geflügelstarterfutter
- Mineralfuttern und Premixen
- Rezepturen mit funktionellen oder bitteren Rohstoffen
- Futtermittelumstellungen
Was zeigen wissenschaftliche Untersuchungen?
Die Wirksamkeit moderner Sweetener-Systeme wurde in zahlreichen Fütterungsversuchen untersucht. Die Ergebnisse zeigen insbesondere bei Jungtieren positive Effekte auf Futteraufnahme, Akzeptanz und Leistungsparameter.
In Versuchen mit Ferkeln nach dem Absetzen führte der Einsatz moderner Sweetener-Systeme zu einer höheren freiwilligen Futteraufnahme sowie verbesserten täglichen Gewichtszunahmen. Gleichzeitig konnte eine stabilere Futterverwertung beobachtet werden.
Weitere Studien zeigen, dass insbesondere Kombinationen aus Stevia und NHDC eine höhere Akzeptanz erzielen als Stevia allein. Der synergistische Effekt verbessert das sensorische Profil und reduziert unerwünschte Nachgeschmackseffekte.
Diese Ergebnisse verdeutlichen, dass moderne Multikomponenten-Systeme heute weit mehr leisten als klassische Einzelsüßstoffe und einen wichtigen Beitrag zu einer leistungsorientierten Tierernährung leisten können.
Ergebnisse aus Fütterungsversuchen
- Verbesserte Futteraufnahme
- Höhere tägliche Gewichtszunahmen (ADG)
- Verbesserte Futterverwertung (FCR)
- Höhere Akzeptanz bei Jungtieren
- Reduzierter Nachgeschmack durch synergistische Sweetener-Kombinationen
Die richtige Sweetener-Lösung ist immer anwendungsspezifisch
So unterschiedlich wie die Anforderungen in der Tierernährung sind, so unterschiedlich sind auch die Anforderungen an ein modernes Sweetener-System. Tierart, Alter, Produktionsphase, Rohstoffzusammensetzung, Herstellungsverfahren und Zielsetzung beeinflussen, welche Lösung den größten Nutzen bietet.
Während bei Jungtieren häufig die schnelle Akzeptanz und eine hohe freiwillige Futteraufnahme im Vordergrund stehen, können bei komplexen Rezepturen die Maskierung bitterer Inhaltsstoffe oder die sensorische Optimierung funktioneller Komponenten entscheidend sein. Ebenso spielen technologische Anforderungen wie Pelletierung, Lagerstabilität oder eine gleichmäßige Verteilung im Futtermittel eine wichtige Rolle.
Eine pauschale Lösung gibt es daher nicht. Entscheidend ist vielmehr die Auswahl eines Sweetener-Systems, das optimal auf die jeweilige Anwendung abgestimmt ist und sowohl sensorische als auch technologische Anforderungen berücksichtigt.
Der Sweetener-Markt befindet sich im Wandel
Neben funktionellen Anforderungen gewinnen auch regulatorische Entwicklungen zunehmend an Bedeutung.
Der schrittweise Rückzug von Natriumsaccharin innerhalb der Europäischen Union führt dazu, dass moderne saccharinfreie Alternativen stärker in den Fokus rücken. Multikomponenten-Systeme auf Basis natürlicher oder naturbasierter Sweetener bieten hier interessante Möglichkeiten, sensorische Qualität und Wirtschaftlichkeit miteinander zu verbinden.
Fazit: Sweetener sind heute ein wichtiger Baustein moderner Fütterungskonzepte
Moderne Sweetener-Systeme leisten heute weit mehr als eine reine Süßung von Futtermitteln. Sie tragen dazu bei, die Akzeptanz sensorisch anspruchsvoller Rezepturen zu verbessern, die freiwillige Futteraufnahme zu stabilisieren und insbesondere in sensiblen Leistungsphasen Wachstum, Entwicklung und Futtereffizienz zu unterstützen.
Durch die Kombination verschiedener Sweetener-Komponenten lassen sich sensorische Nachteile einzelner Süßstoffe gezielt ausgleichen. Gleichzeitig eröffnet die Kombination mit geeigneten Aromen zusätzliche Möglichkeiten, die Schmackhaftigkeit von Futtermitteln weiter zu optimieren und langfristig eine hohe Akzeptanz zu erreichen.
Mit zunehmenden Anforderungen an Wirtschaftlichkeit, Tiergesundheit und nachhaltige Fütterung gewinnen moderne, anwendungsorientierte Sweetener-Konzepte weiter an Bedeutung. Sie sind heute ein wichtiger Bestandteil innovativer Fütterungsstrategien und unterstützen Futtermittelhersteller sowie landwirtschaftliche Betriebe dabei, Leistung und Effizienz nachhaltig zu verbessern.
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Quellenverzeichnis
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- Moran, A. W., Al-Rammahi, M. A., Arora, D. K. et al. (2010). Expression of Na+/glucose co-transporter 1 (SGLT1) in the intestine of piglets weaned to different concentrations of dietary carbohydrate. British Journal of Nutrition, 104(5), 647–655. https://www.cambridge.org/core/journals/british-journal-of-nutrition/article/expression-of-naglucose-cotransporter-1-sglt1-in-the-intestine-of-piglets-weaned-to-different-concentrations-of-dietary-carbohydrate/7D7E4197C2A043276AAB63922CE21991, Zugriff am: 07.07.2026.
- Moran, A. W. et al. (2010). Expression of Na+/glucose co-transporter 1 (SGLT1) is enhanced by supplementation of the diet of weaning piglets with artificial sweeteners. PubMed, National Library of Medicine. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/20338074/, Zugriff am: 07.07.2026.
- NOREL S.A. REVOSWEET® – Natural Sweetener Solutions for Animal Nutrition. Produktinformationen und technische Unterlagen (interne Herstellerunterlagen).
- NOREL S.A. DULCOAPETENTE® – Sweetener and Palatability Solutions. Technische Produktunterlagen und Fütterungsversuche (interne Herstellerunterlagen).
- Verordnung (EG) Nr. 1831/2003 des Europäischen Parlaments und des Rates über Zusatzstoffe zur Verwendung in der Tierernährung.
- EUR-Lex – Verordnung (EG) Nr. 1831/2003, https://eur-lex.europa.eu/eli/reg/2003/1831/oj, Zugriff am: 07.07.2026.
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