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Mehr Calcium bedeutet nicht automatisch mehr Leistung.

Wenn mehr Calcium weniger Leistung bedeutet: Der unterschätzte Einfluss von Calcium auf Phytase, Darmgesundheit und Futtereffizienz

Calcium gehört zu den wichtigsten Mineralstoffen in der Geflügelernährung. Es ist unverzichtbar für die Knochenentwicklung, die Muskelkontraktion, zahlreiche Stoffwechselprozesse und bei Legehennen für die Bildung stabiler Eierschalen.

In der Praxis wird Calcium häufig als Sicherheitsfaktor betrachtet: Ist die Versorgung kritisch, wird die Dosierung erhöht. Doch genau hier liegt ein oft unterschätztes Problem. Neue Erkenntnisse aus Forschung und Praxis zeigen, dass hohe Calciumgehalte nicht zwangsläufig zu einer besseren Versorgung führen. Im Gegenteil: Unter bestimmten Bedingungen kann überschüssiges Calcium die Nährstoffverwertung verschlechtern und damit Leistungspotenziale begrenzen.

Die entscheidende Frage lautet daher nicht: „Wie viel Calcium enthält die Ration?“, sondern: „Wie viel davon kann das Tier tatsächlich nutzen?“

Warum Calcium nicht gleich Calcium ist

Die Verfügbarkeit von Calcium hängt von mehreren Faktoren ab:

  • Löslichkeit der Calciumquelle
  • Partikelgröße
  • pH-Wert im Verdauungstrakt
  • Wechselwirkungen mit Phosphor und Phytat
  • Einsatz von Phytase

Besonders Kalkstein, die am häufigsten eingesetzte Calciumquelle, weist je nach Herkunft und Vermahlung erhebliche Unterschiede hinsichtlich Löslichkeit und Verfügbarkeit auf.

Studien zeigen, dass sowohl die Partikelgröße als auch die Löslichkeit der Calciumquelle direkten Einfluss auf die Verdaulichkeit von Calcium und Phosphor haben. Eine unzureichende Löslichkeit kann dazu führen, dass wertvolle Mineralstoffe ungenutzt ausgeschieden werden.

Der Calcium-Phytat-Konflikt

Eine der größten Herausforderungen moderner Geflügelrationen liegt in der Wechselwirkung zwischen Calcium und Phytat.

Phytat dient in pflanzlichen Rohstoffen als Speicherform für Phosphor. Damit das Tier diesen Phosphor nutzen kann, wird Phytase eingesetzt. Das Enzym spaltet Phytat auf und setzt den gebundenen Phosphor frei.

Genau an dieser Stelle kann überschüssiges Calcium problematisch werden.

Freie Calciumionen bilden mit Phytat schwer lösliche Calcium-Phytat-Komplexe. Diese Komplexe sind für die Phytase deutlich schwerer zugänglich.

Die Folge:

  • geringere Phosphorfreisetzung
  • reduzierte Phytaseeffizienz
  • niedrigere Nährstoffverdaulichkeit
  • höhere Phosphorausscheidungen
  • steigende Futterkosten

Anders formuliert: Betriebe investieren in leistungsfähige Phytasen und verlieren gleichzeitig einen Teil ihres Nutzens durch ungünstige Calcium-Phosphor-Interaktionen.

Welche Rolle spielt die Darmgesundheit?

Die Auswirkungen beschränken sich nicht allein auf die Mineralstoffversorgung.

Hohe Calciumgehalte können den pH-Wert im Verdauungstrakt beeinflussen und dadurch die Fettverdauung verändern. Gleichzeitig können vermehrt schwer verdauliche Calcium-Fettsäure-Komplexe entstehen.

Dadurch stehen mehr unverdaute Nährstoffe im Darm zur Verfügung. Diese können wiederum als Substrat für unerwünschte Bakterien dienen und das mikrobielle Gleichgewicht beeinflussen.

Für die Praxis bedeutet das:

  • geringere Nährstoffeffizienz
  • erhöhtes Risiko für Dysbiosen
  • stärkere Belastung des Darmtraktes
  • potenzielle Leistungseinbußen

Damit wird deutlich, dass Calcium weit mehr beeinflusst als lediglich die Knochenentwicklung.

Bioverfügbarkeit statt Überversorgung

Moderne Fütterungskonzepte verfolgen daher zunehmend einen anderen Ansatz. Statt die Calciumkonzentration weiter zu erhöhen, steht die Verbesserung der Bioverfügbarkeit im Mittelpunkt.

Ziel ist es, dem Tier ausreichend verfügbares Calcium bereitzustellen, ohne gleichzeitig die Phosphorverwertung oder die Darmfunktion negativ zu beeinflussen.

Eine Möglichkeit hierfür stellt Calciumpidolat dar. Dabei wird Calcium an Pidolsäure gebunden. Diese Verbindung kann die Aufnahme und Nutzung des Minerals unterstützen und gleichzeitig dazu beitragen, unerwünschte Wechselwirkungen im Verdauungstrakt zu reduzieren.

Was zeigen aktuelle Versuchsergebnisse?

Besonders interessant sind aktuelle Broilerstudien, in denen Calcium- und Phosphorgehalte gezielt reduziert wurden.

In einem 35-Tage-Versuch mit 800 Arbor-Acres-Broilern wurde untersucht, wie sich Calciumpidolat in calcium- und phosphorreduzierten Rationen auswirkt.

Die Ergebnisse zeigen ein bemerkenswertes Bild:

Parameter Kontrolle Reduzierte Ca/P-Ration + Calciumpidolat
Endgewicht Tag 35 3.216 g 3.306 g
Serum-Calcium 9,84 mg/dL 9,83 mg/dL
Serum-Phosphor 4,49 mg/dL 4,50 mg/dL

Trotz reduzierter Calcium- und Phosphorgehalte blieben die Blutparameter auf dem Niveau der Kontrollgruppe. Gleichzeitig wurde sogar ein höheres Endgewicht erreicht. Dies deutet darauf hin, dass die Mineralstoffversorgung des Organismus trotz geringerer Gehalte im Futter aufrechterhalten werden konnte.

Knochenqualität als Indikator für erfolgreiche Mineralstoffversorgung

Eine effiziente Calciumversorgung zeigt sich nicht nur im Wachstum, sondern auch in der Skelettentwicklung.

In den Versuchen wurden signifikante Verbesserungen bei den Knochenparametern festgestellt:

  • höherer Aschegehalt der Tibia
  • höhere Calciumeinlagerung
  • höhere Phosphoreinlagerung
  • verbesserte Knochenstabilität

Besonders bemerkenswert: Die verbesserte Mineralisierung wurde trotz reduzierter Calcium- und Phosphorgehalte in der Ration erreicht. Dies unterstreicht die Bedeutung der tatsächlichen Verfügbarkeit von Mineralstoffen gegenüber ihrer bloßen Konzentration im Futter.

Was bedeutet das für die Futterformulierung?

Für Nutritionisten und Futtermittelexperten ergeben sich daraus drei zentrale Fragestellungen:

  1. Ist mein Calcium ausreichend verfügbar?
    Nicht jede Calciumquelle liefert die gleiche biologische Wirksamkeit.
  2. Nutze ich das volle Potenzial meiner Phytase?
    Die Wirksamkeit moderner Phytasen hängt maßgeblich vom Calcium-Phosphor-Management ab.
  3. Bezahle ich für Nährstoffe, die das Tier gar nicht verwerten kann?
    Eine optimierte Mineralstoffverwertung kann helfen, Rohstoffkosten zu reduzieren und gleichzeitig die Umweltbelastung zu senken.

Fazit

Die Geflügelernährung entwickelt sich zunehmend von einer bedarfsorientierten zu einer effizienzorientierten Fütterung. Nicht die höchste Dosierung entscheidet über den Erfolg einer Ration, sondern die tatsächliche Verfügbarkeit der eingesetzten Nährstoffe.

Calcium spielt dabei eine Schlüsselrolle. Seine Wechselwirkungen mit Phosphor, Phytase und der Darmgesundheit machen deutlich, dass moderne Fütterungskonzepte ganzheitlich betrachtet werden müssen.

Für die Praxis bedeutet das: Wer Calcium effizienter nutzt, kann nicht nur die Tiergesundheit und Leistung verbessern, sondern gleichzeitig Futterkosten senken und Ressourcen schonen. Genau hierin liegt das Potenzial moderner Mineralstoffstrategien.

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Quellenverzeichnis
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  • Kihal, A., Abdelhady, A.Y., El-Safty, S.A., Radan, A., Merinero, S., Puyalto, M. & Mallo, J.J. (2025): Effect of Calcium Pidolate Supplementation on Performance and Blood Metabolites in Broilers Fed Calcium- and Phosphorus-Reduced Diets. Norel S.A., interne Versuchsunterlage. Verfügbar über BÜFA Chemikalien.
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  • Walk, C.L., Bedford, M.R. & Santos, T.T. (2022): Influence of calcium and phytase on broiler nutrition. Poultry Science. https://academic.oup.com/ps, Zugriff am: 17.06.2026

Hinweis: Die im Beitrag dargestellten Ergebnisse zu CALPID® basieren auf Versuchen und technischen Unterlagen unseres Partners NOREL S.A. Ergänzend wurden unabhängige wissenschaftliche Veröffentlichungen zu Calcium- und Phosphorverwertung, Phytaseeinsatz, Knochenentwicklung sowie Mineralstoffmanagement in der Geflügelernährung berücksichtigt.


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