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Negative Energiebilanz im Saisonstart – warum jetzt die Stoffwechselstabilität entscheidet

Negative Energiebilanz bei Milchkühen im Saisonstart – metabolische Mechanismen, Risikofaktoren und präventive Strategien

Der Saisonstart stellt Milchviehbetriebe jedes Jahr vor dieselbe Herausforderung: Hohe Leistung trifft auf physiologische Limitierung der Energieaufnahme. Gerade in den ersten Wochen nach dem Abkalben entscheidet sich, ob eine Herde stabil durch die Laktation startet – oder ob Stoffwechselprobleme die Wirtschaftlichkeit belasten.

Saisonstart: Wenn Leistung schneller steigt als die Futteraufnahme

Mit Beginn der Laktation steigt die Milchleistung steil an. Gleichzeitig bleibt die Trockenmasseaufnahme physiologisch zunächst begrenzt. Diese Diskrepanz führt zwangsläufig zur negativen Energiebilanz (NEB).

Parallel kommen im Frühjahr weitere Stressoren hinzu:

  • Futterumstellung (neue Silagechargen, Weideaustrieb)
  • Erhöhter Kraftfuttereinsatz
  • Veränderungen der Fermentationsdynamik im Pansen
  • Schwankende Rohfaserstruktur

Das Ergebnis: Der Stoffwechsel arbeitet am Limit.


Eine negative Energiebilanz entsteht, wenn der Energiebedarf der Milchbildung höher ist als die über das Futter verfügbare Nettoenergie.

Physiologische Konsequenzen:

  1. Lipomobilisation aus Körperfettreserven

    Um das Energiedefizit auszugleichen, mobilisiert die Kuh Körperfettreserven.

    Dabei steigen:

    • Nicht-veresterte Fettsäuren (NEFA)
    • β-Hydroxybutyrat (BHBA)

    Aktuelle Arbeiten zeigen, dass erhöhte NEFA- und BHBA-Werte nicht nur Marker, sondern aktive Einflussgrößen im Stoffwechselgeschehen sind.

  2. Immun-metabolische Interaktion

    Neuere wissenschaftliche Publikationen (2024/2025) beschreiben die Übergangsphase als immun-metabolisches Ereignis.

    Das bedeutet:

    • Stoffwechselveränderungen beeinflussen Entzündungsprozesse.
    • Entzündungsreaktionen beeinflussen die Futteraufnahme.
    • Beides wirkt zurück auf die Energiebilanz.

    Die negative Energiebilanz ist somit eingebettet in ein komplexes Regulationssystem.

  3. Bildung von Ketonkörpern (β-Hydroxybutyrat)
  4. Risiko subklinischer oder klinischer Ketose

    Meta-Analysen belegen, dass subklinische Ketose in modernen Hochleistungsherden weiterhin eine relevante Prävalenz besitzt.

    Besonders kritisch:

    • Sie bleibt häufig unentdeckt.
    • Sie beeinflusst Fruchtbarkeit und Leistung messbar.
    • Sie erhöht das Risiko für weitere Erkrankungen.

    Damit ist NEB nicht nur ein physiologischer Zustand – sondern ein ökonomischer Risikofaktor.

Neben direkten Leistungseinbußen sind weitere Effekte relevant:

  • reduzierte Fruchtbarkeit
  • erhöhte Anfälligkeit für Mastitis und Metritis
  • verlängerte Zwischenkalbezeit
  • höhere Remontierungsrate

Studien zeigen, dass subklinische Ketose bei Hochleistungskühen in der Frühlaktation Prävalenzen von 20–40 % erreichen kann – oft ohne klinische Symptome, aber mit deutlichen wirtschaftlichen Folgen.


Energiequellen im Fütterungskonzept

Zur Stabilisierung der Energiebilanz werden glukoplastische Substrate eingesetzt. Diese erhöhen die Glukoseverfügbarkeit bzw. fördern die Glukoneogenese in der Leber.

Typische Komponenten:

Substrat Wirkmechanismus Besonderheit
Monopropylenglykol Umwandlung zu Propionat → Glukosebildung schnelle Wirkung
Glycerin mikrobielle Fermentation zu Propionat abhängig vom Pansenmilieu
Dextrose direkte Glukosequelle kurzfristiger Effekt

Diese Maßnahmen adressieren die Energiezufuhr – jedoch nicht automatisch deren Verwertungseffizienz.

Der unterschätzte Faktor: Pansenmilieu und Energieeffizienz

Eine erhöhte Kraftfuttergabe im Saisonstart verändert das Verhältnis von strukturierten zu schnell fermentierbaren Kohlenhydraten. Die Folge

  • stärkere Säurebildung
  • pH-Absenkung im Pansen
  • Risiko einer subakuten Pansenazidose (SARA)

Ein instabiles Pansenmilieu reduziert:

  • die Trockenmasseaufnahme
  • die mikrobielle Proteinsynthese
  • die Faserverdauung
  • die Energieausbeute aus der Ration

Damit entsteht ein paradoxes Szenario:

Mehr Energie im Trog bedeutet nicht zwangsläufig mehr Energie in der Kuh.


Wirtschaftliche Dimension der negativen Energiebilanz

Bereits geringe Leistungseinbußen oder Fruchtbarkeitsstörungen haben signifikante wirtschaftliche Auswirkungen:

  • Verlust von Milchleistung pro Kuh und Tag
  • Mehrkosten durch tierärztliche Behandlungen
  • Verlängerte Zwischenkalbezeiten
  • Höhere Remontierungskosten

Die Stabilisierung des Stoffwechsels im Saisonstart ist daher kein „gesundheitliches Add-on“, sondern ein wirtschaftlicher Schlüsselparameter.


Fazit: Energie ist mehr als nur ein Zahlenwert in der Rationsberechnung

Die negative Energiebilanz im Saisonstart ist ein multifaktorielles Geschehen. Eine erfolgreiche Strategie berücksichtigt:

  • Energiezufuhr
  • Energieverwertung
  • Pansenstabilität
  • Futteraufnahme
  • Stoffwechselresilienz

Im nächsten Beitrag betrachten wir daher einen häufig unterschätzten Hebel: Die Stabilisierung des Pansenmilieus als Voraussetzung für effiziente Energieverwertung.


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Quellenangaben:

  • Martens, H. & Kollegen (2023). Invited review: Increasing milk yield and negative energy balance — physiological background and consequences. Journal of Dairy Research / Journal of Dairy Science (Invited review). Link: https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC10571806/ [Zugriff am: 11.02.2026]
  • Golder, H.M. (2024). Ruminal acidosis and its definition — A critical review. Journal of Dairy Science (invited review). DOI/Link: https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0022030224010956, [Zugriff am: 11.02.2026]
  • Daros, R.R. et al. (2022). Risk factors for transition period disease in dairy cows. Journal of Dairy Science (review). DOI/Link: ScienceDirect (2022 review), https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0022030222002405. [Zugriff am: 11.02.2026]
  • Salamone, M. et al. (2024). Milk yield residuals and their link with the metabolic status of transition dairy cows. Journal of Dairy Science (2024). Link/DOI: https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0022030223006148, [Zugriff am: 11.02.2026]
  • Flück, A.C. et al. (2025). Is there an appropriate energy level in the diet during the cow transition period? — A systematic review and meta-analysis. Journal of Dairy Research / Cambridge Core (2025). Link: https://www.cambridge.org/core/journals/journal-of-dairy-research/article/is-there-an-appropriate-energy-level-in-the-diet-during-the-cow-transition-period-a-systematic-review-and-metaanalysis/AF996020C359D13C50193C37753B1CE6 [Zugriff am: 11.02.2026]
  • Fritzen, A. et al. (2025). Inflammation in the Transition Period of Dairy Cows — origin, regulation and metabolic interaction. (Review; PMC full text). Link: https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC12737602/ [Zugriff am: 11.02.2026]
  • Christodoulopoulos, G. (2025). Recent advances in clinical management of Subacute Ruminal Acidosis (SARA). Critical review / preprint (2025) and subsequent peer review discussion. Preprint / PDF: https://www.preprints.org/manuscript/202502.1968/v1/download [Zugriff am: 11.02.2026]
  • [Zugriff am: 11.02.2026]

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