Calciumchlorid E 509 – der stille Prozessoptimierer in der Lebensmittelindustrie
Calciumchlorid E 509 – der stille Prozessoptimierer in der Lebensmittelindustrie
In vielen Lebensmitteln entscheidet nicht der Hauptrohstoff über Qualität und Prozesssicherheit, sondern ein unscheinbarer funktioneller Helfer im Hintergrund. Calciumchlorid (E 509) gehört genau zu dieser Kategorie: ein technologisch hochwirksamer Zusatzstoff, der gezielt Struktur, Stabilität und Reproduzierbarkeit beeinflusst – oft ohne sensorisch wahrnehmbar zu sein.
Ob Käse, Tofu, Fresh-Cut-Gemüse oder funktionelle Getränke: Calciumchlorid wirkt dort, wo Calciumionen als „Schlüssel“ für Protein- und Pektinstrukturen benötigt werden. Dieser Beitrag zeigt, wo Calciumchlorid eingesetzt wird, wie es wirkt – und was es im Produkt tatsächlich auslöst.
Was ist Calciumchlorid (E 509)?
Calciumchlorid (CaCl₂) ist ein anorganisches Calciumsalz, stark hygroskopisch, farb- und geruchlos und sehr gut wasserlöslich. In der Lebensmittelindustrie wird es ausschließlich in lebensmitteltauglicher Qualität (E 509) eingesetzt – als Pulver, Granulat oder wässrige Lösung (typisch 33–36 %).
Entscheidend für den Einsatz ist:
- hohe chemische Reinheit
- definierte Calciumfreisetzung
- Einhaltung strenger Grenzwerte für Schwermetalle
Calciumchlorid liefert frei verfügbare Ca²⁺-Ionen, die gezielt mit Proteinen, Pektinen und Enzymsystemen reagieren – die Grundlage seiner technologischen Wirkung.
Wie wirkt Calciumchlorid technologisch?
Der zentrale Wirkmechanismus lässt sich vereinfacht so beschreiben:
Calciumionen vernetzen biopolymere Strukturen.
Konkret bedeutet das:
- Pektine → Festigung pflanzlicher Zellwände
- Proteine → verbesserte Gerinnung und Struktur
- Enzyme → stabilere Prozessbedingungen (pH, Aktivität)
Diese Effekte sind dosierbar, reproduzierbar und prozessstabil – ein entscheidender Vorteil gegenüber rein säurebasierten Lösungen.
Anwendungen in der Lebensmittelindustrie
1. Strukturstabilisierung bei Obst & Gemüse
Calciumchlorid wird als Festigungsmittel bei verarbeiteten Obst- und Gemüseprodukten eingesetzt, z. B.:
- Apfel- und Birnenstücke
- Tomaten, Gurken, Paprika
- Fresh-Cut- und Convenience-Produkte
Was passiert im Produkt?
Calciumionen reagieren mit Pektinen in den Zellwänden und bilden Calciumpektin-Netzwerke. Diese stabilisieren die Zellstruktur, reduzieren Wasserverlust und verlangsamen enzymatischen Abbau.
Ergebnis für den Hersteller:
- bessere Schnittfestigkeit
- längere Haltbarkeit
- geringere Ausschussquoten
2. Käseherstellung – Kontrolle über Bruch und Ausbeute
In pasteurisierter Milch ist der natürliche Calciumgehalt häufig reduziert. Calciumchlorid wird gezielt zugesetzt, um:
- die Labwirkung zu verbessern
- den Bruch zu stabilisieren
- die Molkenabtrennung zu optimieren
Technologischer Effekt:
- schnellere, gleichmäßigere Koagulation
- festerer Käsebruch
- höhere Trockenmasse-Ausbeute
Besonders etabliert ist der Einsatz bei Mozzarella, Schnitt- und Hartkäse.
3. Gerinnungshilfe in der Tofuherstellung
Calciumchlorid fungiert als Koagulans für Sojaproteine. Im Vergleich zu Essig oder anderen Säuren bietet es:
- präzisere Steuerung der Gerinnung
- reproduzierbare Textur
- geringere sensorische Abweichungen
Wirkung:
Calciumionen neutralisieren Proteinladungen und fördern die Protein-Protein-Aggregation – die Grundlage für stabile Tofustrukturen.
4. Stabilisator & sensorischer Feinjustierer
Calciumchlorid kann stabile Komplexe mit Proteinen und Pektinen bilden. Dadurch eignet es sich zur:
- Texturdefinition bei frischen Lebensmitteln
- leichten sensorischen Abrundung (mineralische Note)
- Stabilisierung empfindlicher Matrizes
Der Effekt ist subtil, technologisch jedoch hochrelevant.
Calciumchlorid in der Getränkeindustrie
Brauwasseroptimierung
In Brauereien wird Calciumchlorid eingesetzt zur:
- pH-Absenkung der Maische
- Unterstützung enzymatischer Prozesse
- Geschmackssteuerung (vollerer, runder Körper)
Vorteil gegenüber Calciumsulfat:
Keine zusätzliche Sulfatbelastung – ideal für weichere Bierprofile.
Calciumquelle in funktionellen Getränken
In Sport- und isotonischen Getränken dient Calciumchlorid als:
- Elektrolyt
- gut bioverfügbare Calciumquelle
- stabil löslicher Mineralstoff ohne Trübung
Rechtliche Einordnung & Kennzeichnung
- EU-weit zugelassen als E 509 gemäß VO (EG) Nr. 1333/2008
- Einsatz nach dem Prinzip quantum satis
- Kennzeichnung: „Calciumchlorid“ oder „E 509“ gemäß LMIV (EU) Nr. 1169/2011
Auch in Bio-Lebensmitteln zulässig, da nicht durch die EU-Öko-Verordnung ausgeschlossen – vorausgesetzt, der Einsatz ist technologisch begründet.
Vorteile für Lebensmittelhersteller auf einen Blick
- Prozesssicherheit: stabile Gerinnung, reproduzierbare Textur
- Qualitätssteigerung: bessere Festigkeit & Haltbarkeit
- Flexibilität: einsetzbar in festen und flüssigen Systemen
- Wirtschaftlichkeit: höhere Ausbeuten, weniger Ausschuss
- Regulatorische Sicherheit: breit zugelassen, klar kennzeichnungspflichtig
Fazit: Calciumchlorid E 509 als Schlüssel zur Prozesskontrolle
Calciumchlorid ist kein klassischer „Zusatz“, sondern ein funktionales Steuerungsinstrument. Wer Textur, Stabilität und Effizienz gezielt beeinflussen möchte, findet in E 509 einen vielseitigen und regulatorisch sicheren Baustein – unauffällig im Geschmack, aber entscheidend im Prozess.
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Quellenangaben:
- Europäische Kommission (2008): Verordnung (EG) Nr. 1333/2008 über Lebensmittelzusatzstoffe. Verfügbar unter: https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=CELEX:32008R1333, [Zugriff am: 30. Januar 2026]
- EFSA – Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (2019): Scientific Opinion on the re-evaluation of calcium chloride (E 509) as a food additive. EFSA Journal 2019;17(7):5790. Verfügbar unter: https://efsa.onlinelibrary.wiley.com/doi/10.2903/j.efsa.2019.5790, [Zugriff am: 30. Januar 2026]
- Walstra, P.; Wouters, J. T. M.; Geurts, T. J. (2006): Dairy Science and Technology, 2. Auflage. CRC Press, Boca Raton. ISBN: 978-0-8247-2565-1. Verlagsinformation verfügbar unter: https://www.routledge.com/Dairy-Science-and-Technology/Walstra-Wouters-Geurts/p/book/9780824725651,[Zugriff am: 30. Januar 2026]
- Kunze, W. (2014): Technologie der Brauer und Mälzer, 9. Auflage. VLB Berlin. Verlagsinformation verfügbar unter: https://www.vlb-berlin.org/technologie-der-brauer-und-maelzer, [Zugriff am: 30. Januar 2026]
- Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) (2020): Fragen und Antworten zu Lebensmittelzusatzstoffen. Verfügbar unter: https://www.bfr.bund.de/de/fragen_und_antworten_zu_lebensmittelzusatzstoffen-181361.html, [Zugriff am: 30. Januar 2026]
- Europäische Union (2018): Verordnung (EU) 2018/848 über die ökologische/biologische Produktion und Kennzeichnung von ökologischen/biologischen Erzeugnissen. Verfügbar unter: https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=CELEX:32018R0848, [Zugriff am: 30. Januar 2026]
- Codex Alimentarius Commission (2021): General Standard for Food Additives (GSFA) – Calcium Chloride (E 509). Einsehbar über das EU-Gemeinschaftsregister für Lebensmittelzusatzstoffe: https://webgate.ec.europa.eu/sanco_foods/main/?event=display, [Zugriff am: 30. Januar 2026]
- Institute of Medicine (IOM) (2005): Dietary Reference Intakes for Calcium and Vitamin D. National Academies Press, Washington, DC. Verfügbar unter: https://nap.nationalacademies.org/catalog/13050/dietary-reference-intakes-for-calcium-and-vitamin-d, [Zugriff am: 30. Januar 2026]
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